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Dr. Jozef Babisnki

Dr. Jozef Babisnki - von Eugene Pirou (1910).


Dr. Babinski wurde vom Jean-Martin Charcot ausgebildet und übernahm auch initial seine Überzeugung im Bezug auf Hysterie. Er revidierte jedoch zunehmend diese Einsicht. Im Rahmen einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit neurologischen Manifestationen diverser Erkrankung meinte er zunehmend, dass organische Ursachen reproduzierbare und provozierbare Zeichen haben – im Gegensatz zur Hysterie. So setzte er u.A. sein berühmtes Pyramidenbahnzeichen ein, den «Babinski-Reflex», als Trennungsinstrument ein.

Babinski und seine Kollegen trugen sehr viel zum heutigen Verständnis der allgemeinen Psychotraumatologie bei. Ihre Konzepte dienten als Grundgesteine für die spätere Definition und Handhabung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD). Babinski’s Anwendung von Isolation und Gegenüberzeugung waren auch nichts Anderes als die Vorreiter der kognitiven behavioralen Therapie (CBT). 

Aus der heutiger Sicht, war aber die spätere Tendenz ME/CFS und PTSD mit einer «krankhaften Selbstüberzeugung» gleichzusetzen öfters katastrophal – zahlreiche Betroffene haben freiwillig oder erzwungen diverse PTSD-Protokolle absolviert und mussten sich anhören, wie die fehlende Besserungen auf ihren mangelnden Willen zurückzuführen ist.  

 

DER FALL VON GABRIELLE H. 

In 1900 präsentierte Dr. Babinski den Fall von Gabrielle H., einer hysterischen Patientin mit gleichzeitiger, rechtsseitiger Halbseitenlähmung («Hemiplegie»). Dank subjektiv erfassbaren Unterschieden der Körperhälften (Muskelspannungen und Reflexe) in verschiedenen Zuständen (normal, hypnotisiert, hypnotisiert-hysterisch, spontan-hysterisch) postulierte er auch getrennte Ursachen beider Leiden – die Halbseitenlähmung war konsequent immer da, während der «hysterische Anteil» ständig wechselte und keine objektiven, körperlichen Befunde produzierte. [1]

 

DER ERSTE UND DER ZWEITE APPELL

AN DIE NEUROLOGISCHE GESSELSCHAFT

Am 7ten November 1901 appellierte er an die Société de Neurologie, die Bezeichnung «Hysterie» gänzlich abzuschaffen zugunsten seines Vorschlages, den «troubles pithatiques», später auch bekannt als «Pithiatismus». [2] Der Name bestand aus den altgriechischen «pythos» («Überzeugung») und «iathos» («heilbar») und implizierte einen pathologischen, korrigierbaren Zustand der Selbstüberzeugung. Die pithiatischen Symptome würden sich somit mit Hilfe von Hypnose vortäuschen / modulieren und mit Hilfe der Gegenüberzeugung eliminieren lassen. Sie wären auch nie von tatsächlichen Veränderungen der neurologischen Reflexe begleitet. Da Babinski eine festverankerte Fehl-Suggestion als ursächlich für «Pithiatismus» betrachtete, bestand seine Therapie vorwiegend aus gnadenloser Isolation der Patienten mit intensiven Massnahmen der Gegenüberzeugung. [3] Die Isolation diente hier dem Schutz von schädlichen Einflüssen, das Gegenüberzeugen einer heilenden Korrektur. Hierunter beobachtete er Besserungen bis Heilungen.  

Die Ideen von Babinski wurden vorerst weitgehend ignoriert - bis zu seinem erneuten Appel im 1907 und späterer Inkorporation in den militärischen Umgebungen angesichts deren Anwendbarkeit im Bezug auf posttraumatische Veränderungen der Gesundheit und des Verhaltens.

 

ZUSAMMENARBEIT MIT DR. FORMENT

UND DIE ROLLE DES ERSTEN WELTKRIEGES

 

Die auf den Ersten Weltkrieg bezogene Arbeit von Dr. Babinski und Dr. Forment aus 1918 ist eins der vollumfänglichsten Rapporte über Zusammenhänge und Manifestationen, welche zum Formenkreis der «Hysterie» / des «Pithiatismus» gehörten. [4] Hier lesen wir z.B.: «In den Fällen, mit denen wir uns beschäftigen, Hysterie war entweder rein oder assoziiert mit unterschiedlichen, organischen Leiden, und die letzte Form schien uns am häufigsten vorzukommen. (…) Der jetzige Krieg, welcher alle andere übertrifft in Anzahl der Involvierten, Fortschrittgrad der Destruktionsmotoren und Dauer, bietet eine einmalige Gelegenheit denjenigen an, welche die Wichtigkeit von verschiedenen, provokativen Faktoren der Hysterie untersuchen wollen. Wir vermerken, dass Prädispositionen, persönliche oder hereditäre Vorgeschichte, die Natur des Individuums und dessen emotionale Konstitution von sekundärer Bedeutung zu sein scheinen. Die kontemporären, hysterischen Symptome scheinen vorwiegend durch moralische und körperliche Anstrengung zu entstehen, welche die physischen Widerstandskräfte vermindern und zu derartigen Leiden prädisponieren, egal wie resilient einer zu erscheinen mag.»  

Babinski und Forment bezogen sich auf zahlreiche Beobachtung durch sie selber sowie ihre Kollegen und veranschaulichten zahlreiche Aspekte der hysterischen / pithiatischen Phänomene. So schienen einmalige oder sogar serielle und hochemotionelle Vorkommnisse weniger ausschlaggebend zu sein als die dominierende Erfahrung der eigenen Machtlosigkeit. Die Autoren stellten somit die rein-emotionale Genese für höchstfraglich. Auffällig war die deutliche, öfters mehrwöchige Verzögerung in der Manifestation der hysterischen Beschwerden nach zahlreichen, stressigen Expositionen sowie auch das Nachlassen davon in weiteren Überlebenskrisen.  So wurden die Kriegsopfer erst «im Sicheren» wirklich krank und konnten bis dahin erstaunlich gut kompensieren.  Die ersehene Erholung brachte jedoch auch nach Wochen und Monaten keine Resolution. 

 

 

QUELLEN:

[1] “Diagnostic différentiel de l'hémiplégie organique et de l'hémiplégie hystérique”
Joseph Babinski
Published by F. Lev, 1900

[2] “Joseph Babisnki (1857 1932): A neuroscientist behind a famous clinician”
Fracous Clarac, Jean Massion, Allan M. Smith
Evernote Web, Published online December 15 2012.

[3] «Babinski the great: Failure did not deter him”
Man Mohan Mehndiratta et al.
Annals of Indian Academy of Neurology, Published Jan-Mar 2014; 17 (1) : 7 -9

[4] “Hysteria, or pithiatism, and reflex nervous disorders in the neurology of war”
Babinski et J. Froment, Edited by Farquhar Buzzard
Englisch Version printed by University of London Press Ltd. in 1918

Bildquelle: 
www.wikipedia.com 

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