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Ein Energiemangel kann sich unterschiedlich zeigen

 

Fatigue / Müdigkeit (ICD-10: R53.83) ist ein Warnsignal des Körpers, eine Einladung zur Erholung durch Aktivitätsänderung (aktive Pause), Aktivitätssistierung (passive Pause) oder Schlaf zwecks Wiedergewinn der nachlassenden Leistungsfähigkeit. 

Fatigue ist vorzugsweise von der Schläfrigkeit / Somnolenz (ICD-10: R 40.0) zu trennen - Letzteres bezeichnet einen Zustand, welcher zur vermehrer Einschlafneigung führt und nur durch den Schlaf dauerhafter gelindert werden kann.

Fatigue kommt in vielen Formen vor (Basisunterteilung: körperlich, intellektuell, emotionell) und entspring unterschiedlichen Mechanismen. Bei Dauer über 1 Monat wird sie als «protrahiert» oder «prolongiert» bezeichnet. Nach 6 Monaten bezeichnet man sie als «chronisch».

Ist die Fatigue durch üblich identifizierbare Zusammenhänge erklärbar und lässt sie sich mit den üblichen Erholungsmassnahmen lindern, wird sie als normal oder «physiologisch» klassifiziert. Wenn nicht, und / oder die Dauer mehr als 3 Monate beträgt, ist die Fatigue als «pathologisch» und somit abklärungswürdig anzusehen. Somit ist jede chronische Fatigue definitionsgemäss auch pathologisch.

Ein weiterer Begriff, die Schwäche / Asthenie (ICD-10: R53.1), bezeichnet den Verlust an der Fähigkeit der Muskulatur, die mechanische Kraft zu erzeugen. 

Fatigue, Schläfrigkeit und Schwäche kommen häufig und in unterschiedlichen Kombinationen vor. Sie sind dabei nicht immer einfach voneinander zu trennen. Obwohl alle drei ein Bestandteil von ME/CFS sind, sind sie damit nicht gleichzusetzen. Sie sind nämlich Symptome, während die Myalgische Enzahpylomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome eine separat definierte Erkrankung darstellt (ICD-10: G93.3). 

 

MÜDIGKEIT / FATIGUE (ICD-10: R 53.83)

Fatigue, im erweiterten, instinktiven Sinne des Wortes, ist primär ein evolutiv verankertes, subjektives Warnsignal, dass man sich auf irgendeine Art erholen sollte, um sich danach besser zu fühlen und seine Funktionalität wieder zu erlangen.  Dies geschieht, vereinfacht gesagt, durch:

  • Veränderung der Aktivität (aktive Pause)
  • Unterlassen der Aktivität (passive Pause)
  • Schlaf

KLASSIFIZIERUNG:

In der Wissenschaft gibt es zahlreiche Modelle, wie man die unterschiedlichen Formen von Fatigue erfassen und interpretieren kann. Die Unterteilung auf physische, mentale und emotionale Komponente gehört hier zu den Grundsteinen, es gibt aber ganze Zweige, welche sich mit ganz spezifischen Ermüdungsformen befassen (z.B. «computer vision syndrome»). 

Jede Fatigue, welche über mehr als 1 Monat aussergewöhnlich dominiert / persistiert / wiederkehrt, und somit auch stört, wird als «protrahiert» oder «prolongiert» bezeichnet. Bei Dauer über 6 Monaten, wird die Fatigue als «chronisch» bezeichnet. 

Ist die Fatigue nachvollziehbar als Auswirkung von individuell bekannten Zusammenhängen, und durch übliche Erholungsmassnahmen reversibel, betrachten wir sie als «physiologisch». Findet man keine ausreichende Erklärung, helfen die zuvor wirksamen Erholungsstrategien nicht mehr, oder dauert sie über 3 Monate, wird die Fatigue als «pathologisch» bezeichnet. 

Somit ist jede chronische Fatigue automatisch pathologisch, und jede pathologische Fatigue sollte auch näher evaluiert werden – multiple Mechanismen spielen hier ihre Rollen, und gewisse Situationen brauchen ganz spezifische Massnahmen (z.B. Krankheiten).

 

SCHLÄFRIGKEIT / SOMNOLENZ (ICD-10: R40.0)

Ist eine Fatigue vorwiegend mit Schlafdruck verbunden und wird primär oder nur durch den Schlaf gelindert, spricht man in den Fachkreisen von Somnolenz / Schläfrigkeit zwecks besserer Auseinanderhaltung. So sind im klinischen Alltag die Fatigue und die Somnolenz als getrennte Begriffe zu unterschieden.

KLASSIFIZIERUNG:

Die Somnolenz / Schläfrigkeit ist als «exzessiv» zu bezeichnen, wenn der Betroffene über 3 nacheinander folgende Monate nicht mehr in der Lage ist, seine Wachsamkeit während der üblichen Aktivitätsperioden aufrechtzuerhalten – es kommt ungewollt und / oder zu unüblichen Zeiten zum Einschlafen.

SCHWÄCHE / ASTHENIE (ICD-10: R53.1)

Medizinisch gesehen, bezieht sich der allgemeine Begriff «Schwäche» / «Asthenie» auf den Verlust an der Fähigkeit der Muskulatur, die mechanische Kraft zu erzeugen.  


KLASSIFIZIERUNG:

Ist eine Schwäche nachvollziehbar als Auswirkung von individuell bekannten Zusammenhängen, und durch übliche Erholungsmassnahmen reversibel, betrachten wir sie als «physiologisch». Findet man keine ausreichende Erklärung, helfen die zuvor wirksamen Erholungsstrategien nicht, tritt sie plötzlich ein und / oder ist sie nachhaltend, wird die Schwäche als «pathologisch» und somit auch abklärungswürdig bezeichnet. 
Bei der Schwäche werden zwei Grundformen unterschieden:

  • Wahrgenommene Schwäche («perceived weakness»)

    Der Betroffene berichtet, dass ein vermehrter Willenseinsatz nötig ist, um einen Kraftakt auszuüben, es werden aber keine messbaren Einbussen der Muskelkraft erfasst.


  • Wahre Schwäche («true weakness»)

    Die Kraftentwicklung durch die Muskulatur ist messbar geringer als erwartet. Der Betroffene kann, muss dies aber nicht als vermehrt notwendigen Willenseinsatz wahrnehmen.  


Zur besseren, klinischen Handhabung werden die Muskelschwächen nach verschiedenen, weiteren Merkmalen unterteilt (z.B. Lokalisation, Ausprägung, zeitlicher Verlauf / Dynamik, anatomische und funktionelle Begleitsphänomene, Ätio-/Pathophysiologie usw.). 

Eine generalisierte Schwäche im Zusammenhang mit dem Alterungsprozess und ohne Hinweise für weitere, krankhafte Ursachen wird als «Alterschwäche» oder «senile Asthenie» bezeichnet (ICD-10: 54).

Messbare Abfälle der Muskelkraft werden explizit als «Muskelschwächen» bezeichnet (ICD-10: M62.8) und können mehrere Ursachen haben.  

GRUNDWERKE:
[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

 

QUELLEN: 

[1] “The International Classification of Sleep Disorders, 3rd Edition”
Darien IL et al.
American Academy of sleep Medicine, Published 2014.

[2] “The Chronic Fatigue Syndrome: A Comprehensive Approach to Its Definition and Study”
Keiji Fukuda MD et al.
Annals of Internal Medicine, Published 15.12.1994; §1§ (12): 953 – 9

[3] “What is Fatigue? Pathological and Nonpathological Fatigue.”
Leonard A. Jason et al.
American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation, Published May 2010; Vol. 2, 327 – 331

[4] “Physiological Basis of Fatigue”
Evans WJ Lambert
American Journal of Physical Medicine and Rehabilitation, Published Jan 2007; 86 (Suppl): 29 – 46

[5] “Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations. 3rd ecition”
Chapter 213: Weaknes and Fatigue by John Holbrook 
Editors: Walker HK, Hall WD, Hurst JW
Published 1990 by Boston: Butterworths

[6] “Clinical Methods: The History, Physical, and Laboratory Examinations. 3rd ecition”
Chapter 213: Weaknes and Fatigue by John Holbrook 
Editors: Walker HK, Hall WD, Hurst JW
Published 1990 by Boston: Butterworths

[7] “International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”
World Health Organisation (WHO), Version 2016
Eisnehbar unter: http://apps.who.int/  

HAFTUNGSERKLÄRUNG

Der Verein ME/CFS Schweiz sieht sich primär als gemeinnützige Vereinigung von ME/CFS-Betroffenen und -Interessierten sowie fungiert als Informationsquelle zu der Erkrankung "myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome" (ME/CFS, ICD-10: G93.3).

Der Verein übernimmt keine Haftung für das individuelle Einsetzen der von uns angebotenen Informationen und ersetzt keinesfalls die geschulten Spezialisten aus dem Gesundheits-, Rechts- oder Sozialwesen. Unsere Organisation bietet auch keine individuellen, medizinischen Beratungen oder Zuweisungen an.